Gelungenes Webdesign für Künstler:innen – Was ist wichtig?

Ich habe schon oft gelesen, dass die Gestaltung einer Künstler:innenwebsite dezent und schlicht sein sollte, damit die künstlerische Arbeit ihre volle Wirkung entfaltet. Für mich hört sich das so an, als würde man sagen: jede künstlerische Arbeit funktioniert am besten in einem white cube. Ich bin davon überzeugt, dass dem nicht so ist. Meiner Meinung nach darf eine Künstler:innenwebsite individuell, kreativ, unkonventionell, außergewöhnlich und besonders sein. Auf jeden Fall sollte sie als digitaler Ausstellungsraum verstanden werden, der vielfältige Möglichkeiten bereit hält, die ein realer Ort möglicherweise nicht bietet.  

Eine Künstler:innenwebsite kann und sollte kuratiert werden. Eine gelungene Künstler:innenwebpräsenz ist in meinen Augen eine Website, die formal mit dem Thema, der Sprache oder dem Stil des Werks zusammenpasst, diese formal unterstützt und dessen Aussage verstärkt. Aus diesem Grund bin ich der Ansicht, die Entwicklung eines Webdesigns sollte vom Inhalt aus gehen. Form follows function. 

Das Besondere ist: Im Internet kannst du deine Arbeit in dem optimalsten Raum, speziell angepasst an DEINE Arbeit präsentieren. Denn du kannst ihn dir selbst erschaffen. Sogar jedes WERK in einem anderen, wenn das Sinn macht. Wenn ein white cube die passendsten Ausstellungbedingungen schafft, dann go for it, aber falls Gestaltungselemente den Inhalt deines Werks sogar unterstützen und hervorheben können: Warum nicht? Das Internet bietet dir die Möglichkeit, den perfekten Ausstellungsraum für deine Arbeit zu entwickeln, unabhängig von (einigen) physikalischen Gesetzen wenn man es so ausdrücken will. 

Wenn du das Webdesign für deine Künstler:innenseite entwickelst, solltest du wie ein*e Architekt:in, Kurator:in und Ausstellungsvermittler:in gleichzeitig denken. Welcher Raum ist der geeignetste, welche Arbeit sollte wie gezeigt werden, wo sollte welche Info stehen, wie soll sich das Publikum über die Seite bewegen? 

Um ein fesselndes Erlebnis zu schaffen, stehen dir viele Möglichkeiten zur Verfügung: Farbe, Form, Typografie, Effekte, Ton, Animation, Simulation, Transparenz, Scrolling und vieles mehr. 

Verständlicherweise ist vielen Nicht-Webdesigner:innen nicht bewusst, welche Möglichkeiten bei der Gestaltung eines Webdesigns zur Verfügung stehen. Daher ist es oftmals inspirierend, sich andere Websites anzuschauen, die einen auf Ideen bringen und verdeutlichen, was möglich wäre. Oftmals ist es eine kleine Besonderheit, die der Website einen individuellen Charakter gibt. 

Ich habe hier eine Liste zusammengestellt mit Websites die ich inspirierend und gelungen finde, oder auf denen ich einzelne Elemente interessant finde. Vielleicht gefällt dir eine von ihnen und du kommst auf Ideen für die Gestaltung deiner eigenen Website? Hast du andere tolle Websites entdeckt, die in meiner Liste fehlen? Ich freu mich über deine Nachricht!

Planung einer Website für Kreative

Ziel

Wie bei allen Websites gilt: Definiere zuerst ein konkretes Ziel. Bevor du startest, mach dir über dein konkretes Ziel deiner Website Gedanken. Was möchtest du mit deiner Website erreichen? Die Gestaltung und der Inhalt sollte dich dabei unterstützen, dieses Ziel zu erreichen. 

Und ja, auch du als Kreative:r solltest eine Zielgruppe im Kopf haben. 

Domain

Die Domain ist die Adresse, unter die deine Website im Netz zu finden ist. 
Etabliert hat sich eine Kombination aus Vor- und Nachnamen bei Küntsler:innen Websites. 

Wenn deine Wunschdomain nicht mehr zur Verfügung steht, (mittlerweile sind viele Domains bereits vergeben), könntest du eventuell mit einem Zusatz im Namen wie Studio oder Atelier arbeiten, oder, wenn du ein spezifisches Thema bearbeitest, davon einen Begriff verwenden. Außerdem stehen noch die neuen gTLDs wie .art, .studio, .film, .show, .gallery etc. zur Verfügung, sind aber teurer als Domains mit generischen oder länderspezifischen Endungen.

Falls du dich von der Bild-Kunst vertreten lässt und deine Website melden möchtest, empfehle ich dir, eine .de Domain zu verwenden. Oder, wenn es sich um eine generische TOP-Level Domain handelt (.org/.net/.com usw.), muss sie sich in deutscher Sprache an ein deutsches Publikum wenden.

Sprache 

Apropos Sprache: Es ist ratsam, eine Website in nur einer Sprache zu halten, oder – wenn mehrsprachig – ein Plugin zu verwenden. 

SEO

Suchmaschinen funktionieren hauptsächlich über Text. Deswegen ist es wichtig, dass eine Website nicht nur aus Bildern besteht, sondern auch thematisch relevante Texte vorzuweisen hat. 

Wenn deine Website sehr bildlastig ist, empfehle ich dir, zumindest mit Metatexten und alternativem Bildtext zu arbeiten, sodass die Suchmaschinen wissen, worum es bei deiner Arbeit geht. Verwende dafür relevante Begriffe (Keywords) in deinen Texten und Bildbeschreibungen.

Zu empfehlen ist es außerdem, für jedes Werk eine eigene Seite zu erstellen. Also wenn du möchtest, dass Seiten einzelner Arbeiten über Google gefunden werden, dann solltest du die Keywords zu dem Thema auf dieser konkreten Seite in einem Text verwenden. Es kann dein eigener Text sein oder von einem Autor oder einer Kuratorin. Im zweiten Fall natürlich Credits nicht vergessen. 

Hier habe ich weitere Infos zur Suchmaschinenoptimierung ohne Budget zusammengestellt.

Kontaktmöglichkeit

Absurd, aber vergessen manche: Schaffe eine Kontaktmöglichkeit. Und zwar eine, die du selbst gerne bedienst und von der du denkst, dass deine Zielgruppe sie bevorzugt. (Wenn du zum Beispiel nicht gern ohne Terminabsprache angerufen wirst, dann gib besser keine Telefonnummer an.) 

Und: Du musst nicht alle deine Daten zur Verfügung stellen, aber wenn kein Kontaktformular, dann wenigstens eine Emailadresse oder Telefonnummer. 

Jetzt aber zur Konzeption der Inhalte eines gelungenen Webdesigns für Künstler:innen: 

Die Struktur und Gestaltung

Eine Künstler:innenwebsite darf unkonventionell sein. Du brauchst dich nicht zwingend an Konventionen, an Header, Body und Footer halten, Call to Action Buttons einbinden und Bilder in der Light-Box zeigen. Vielleicht eignet sich eine ganz eigene Navigationsform für deine Inhalte. 

Gleichzeitig darfst du natürlich auch auf die Vorteile eines traditionellen Aufbaus zurückgreifen, wenn es für deine Inhalte Sinn ergibt. Oberste Priorität sollte dein Website-Ziel haben. Außerdem ist wichtig, auf die Bedürfnisse und Gewohnheiten deiner Zielgruppe Rücksicht zu nehmen. Auch wenn du Konventionen brichst, solltest du es bewusst tun und dein Ziel im Auge behalten. 

Responsives Design

Und ganz wichtig: Achte darauf, dass deine Website auf allen Bildschirmen gut aussieht und funktioniert. Im Webdesign spricht man von Mobile first, weil die Mehrheit der Internetnutzer:innen mobile Geräte verwenden. Also achte darauf, dass die Benutzer:innenerfahrung auf kleinen Bildschirmen optimiert ist. 

Welche Unterseiten sind für eine Künstler:innen-Website sinnvoll? 

Portfolio

Das Herzstück einer Künstler:innenwebsite ist oft das Portfolio. Es kann direkt die Startseite deiner Website sein. Achte darauf, dass die Form des Portfolios sich an deine Werke anpasst, nicht andersherum. Gibt es Text, wo soll er stehen, wie groß sollen die Bilder angezeigt werden, wie viele sind gleichzeitig zu sehen? Arbeitest du vorwiegend mit Hoch- oder Querformaten oder gibt es meist sehr viele Bilder? 

Wie kennzeichnest du die Bilder formal, um zu visualisieren ob es sich um eigentliches Werk, Filmstill, Repro, Ausstellungs- oder Dokumentationsansicht handelt? 

Über mich / About / Vita 

Viele Künstler:innen verzichten auf eine konventionelle Über-mich Seite wie man sie von Selbstständigen in anderen Branchen kennt. Viele verwenden stattdessen eine Biografie / Vita (zum Download), ein Ausstellungs- und / oder ein Werkverzeichnis und eine Sammlung an Texten von anderen Autor:innen zur Arbeit. 

Es ist ratsam, einen Text über dich, deine Arbeitsweise oder vertiefende Texte über dein Thema auf die Website zu stellen. Du könntest ein Artist Statement verwenden, um eine persönliche Note zu setzen und dich sympathisch und menschlich zu zeigen, oder einen guten Text eine:r Autor:in, Kurator:in,  Professor:in über dich (und dein Gesamtwerk).

Aktuelles / News 

Wenn du oft ausstellst, ist es sinnvoll, eine Newsseite (Aktuelles, News) zu bespielen, auf der du aktuelle Flyer und Infos zu Ort / Zeit angeben kannst. Diese Seite kannst du gleichzeitig auch als Archiv vergangener Ausstellungen nutzen. 

Doch Achtung: Eine „News“-Seite sollte regelmäßig aktualisiert werden. Sonst sieht es schnell so aus, als seist du wenig aktiv. Dies gilt ebenfalls für deine Biografie, dein Ausstellungs- und dein Werkverzeichnis. 

Falls du tatsächlich eher wenig ausstellst, könntest du diese Unterseite aber auch zusätzlich für andere Inhalte nutzen und über die Entstehung neuer Kunstwerke informieren, Presseberichte verlinken, über Verkäufe berichten oder aktuelle Fotos aus deinem Atelier posten. 

Newsletter

Um Interessierte zu einer Ausstellung einzuladen, bietet sich ein Newsletter an. Damit schaffst du dir eine gute Möglichkeit, mit Sammler:innen oder Kurator:innen direkt in Kontakt zu treten. Ich weiß, „Newsletter“ hört sich irgendwie unsympathisch an. Wie wärs mit „Ausstellungsnewsletter“ oder „Atelier-Post“. Das Opt-In kannst du beispielsweise auf der Newsseite oder im Footer platzieren. 

und zum Schluss noch: 

Pflichtseiten

Leider müssen auch die beiden rechtlichen Seiten (Impressum und Datenschutz) auf deine Website. Du kannst sie ganz unten auf der Website verstecken, sie sollten aber von jeder einzelnen Seite mit nur einem Klick erreichbar sein. 

Falls du deine Kunstwerke online verkaufen willst, empfiehlt sich, eigene AGB auf der Website zu veröffentlichen, um die rechtlichen Rahmenbedingungen festzulegen. 

Too long, didn’t read (TL;DR)

Bei der Konzeption einer Künstler:innen Webpräsenz empfehle ich dir, deine kreativen Fähigkeiten zu nutzen: Passe die Website formal an deine Inhalte an. Denk out of the box, vergiss wenn möglich alle Standard Websites und überlege dir, wie DEINE Arbeit im Web am optimalsten rüberkommt. 

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