Nachahmung deiner Kunst: Seltsames Kompliment mit bitterem Beigeschmack
Vielleicht ist es dir auch schon einmal passiert: Dein Werk wurde von jemandem nachgeahmt oder eine deiner Ideen wurde geklaut.
Copycats machen dir ein seltsames Kompliment mit bitterem Beigeschmack. Denn auf der einen Seite zeigt dir ein*e Nachahmer:in, dass deine Arbeit gewirkt hat. Dein Werk gefällt sogar so gut, dass sie es wert war, noch einmal umgesetzt zu werden.
Auf der anderen Seite ärgerst du dich maßlos über diesen dreisten Dieb, der dich noch nicht einmal als Inspirationsquelle angegeben hat und fühlst du dich um dein geistiges Eigentum betrogen.
Eventuell erleidest du sogar einen wirtschaftlichen Schaden, weil nicht du, sondern die Copycat die Lorbeeren erntet, die du gesät hast.
Eine Künstlerin, mit der ich mich kürzlich ausgetauscht habe, äußerte aus diesem Grund Bedenken, ihre künstlerische Arbeit auf ihrer Website zu veröffentlichen. Sie habe bereits die negative Erfahrung gemacht, dass ihre Werke kopiert wurden. Das verstehe ich gut.
Wenn dich eine ähnliche Erfahrung oder die Angst davor ebenfalls daran zweifeln lässt, ob und welche Werke du auf deiner Website veröffentlichen solltest, weil du dich vor Copycats schützen willst, dann möchte ich dir hier einen Denkanstoß geben.
Klar ist, wir lassen uns alle inspirieren.
Ideen kommen nicht aus dem Nichts.
Sie entstehen aus deiner Perspektive, deinen Erfahrungen, deiner Vergangenheit, deinen Gedanken und durch Inspiration von außen.
Deine Individualität entsteht aus der Verbindung zwischen dir und der Welt, dessen Teil du bist. So sind auch deine Werke inspiriert von deiner Umgebung, von Begegnungen und vielleicht auch durch künstlerische Werke, die du irgendwann mal in einer Ausstellung erlebt oder gesehen hast.
So wie du dich selbst nicht davor schützen kannst und willst, dass dich etwas inspiriert, kannst du auch niemandem verbieten, sich von deiner Kunst inspiriert zu fühlen. Vor allem, weil das ja sicherlich auch eins deiner Ziele ist: Inspiration schaffen.
Was ist der Unterschied zwischen einer eigene Idee und einer Kopie?
Solange ein Werk nur imitiert wird, bleibt der Output eine Nachahmung des Originals. Inspirationen müssen mit einer Haltung und eigenen Gedanken vermengt werden, um zu etwas Neuem zu werden.
Du bist der Filter, der entscheidet, welche Inspirationen es wert sind, weitergedacht zu werden, was du an ihnen spannend findest und mit welcher Perspektive du auf sie schaust.
Eine eigene Idee zeichnet sich also darüber aus, dass Inspirationen miteinander und mit deiner persönlichen Sicht auf die Welt kombiniert worden sind. Nur so kann etwas Einzigartiges, Neues entstehen.
Es ist nicht dein Stil, deine Technik oder das Werkzeug, das dich einzigartig macht.
Auch wenn du einen ganz eigenen Stil entwickelt hast, eine besondere Technik oder Werkzeuge verwendest: Einen Stil kopieren ist nicht unmöglich. Zufällig oder bewusst die gleichen Werkzeuge zu verwenden, steht jedem frei.
Was nicht jeder kann: Sich eine künstlerische Haltung zu erarbeiten und diese Haltung nach außen zu tragen.
Nur du bist du. Mach das zu deinem Vorteil.
Tipps, wie du dich vor Copycats schützen kannst
Sei selbst keine Copycat
Erarbeite dir einen eigenen Stil und zeige klare Haltung.
Positionier dich und forme deine eigene Personal Brand.
Dies erreichst du, indem du das herausarbeitest, was dich einzigartig macht und Haltung zeigst.
Es ist schon schlimm genug, wenn jemand deine Arbeit immitiert.
Aber was noch schlimmer ist: Wenn es niemand weiß, dass deine Arbeit zuerst da war und dass die Copycat von dir abgekupfert hat.
Und was noch noch schlimmer ist: Wenn du für die Copycat gehalten wirst, obwohl es deine Idee war.
Ideen sind nicht geschützt. Obwohl, solange du sie nicht aussprichst, sind sie in Sicherheit. (Allerdings könnte auch jemand zufällig die gleiche Idee haben.) Sobald du sie aber unüberlegt mit der falschen Person teilst und sie noch nicht selbst umgesetzt hast, könnte diese Person sie einfach für die ihre erklären und du kannst nicht das Gegenteil beweisen. Also beachte: Teile deine Ideen nicht unüberlegt mit irgendjemandem dem du nicht vertraust.
Damit deine Idee zu einem urheberrechtlich geschützten Werk wird, musst du sie umsetzen und veröffentlichen.
Dewegen lautet mein 2. Tipp:
Setze deine Ideen um und veröffentliche deine Werke so schnell wie möglich
Relevant ist (leider) nicht, ob du eine Idee zuerst hattest, sondern ob du sie als erstes erfolgreich umgesetzt und das bessere Marketing betrieben hast.
Wenn die Umsetzung Eindruck macht, speichern sich die Menschen den Namen der- oder desjenigen, von dem sie das Werk zuerst gesehen haben.
Also Achtung: Nicht, dass am Ende du fälschlicherweise für die Copycat deiner eigenen Idee gehalten wirst!
Eine hilfreiche Technik, sich vor dem Schaden einer Copycat zu schützen ist außerdem Bekanntheit und gute Vernetzung.
Dein Ziel sollte sein, so bekannt wie möglich zu werden. Ich weiß, das ist leicht gesagt und fühlt sich für viele unerreichbar an. Aber durch die Stärkung deiner Personal Brand und kleine aber bewusste Schritte in die Sichtbarkeit betätigst du die richtigen Hebel.
Das Paradoxe ist: Je berühmter du bist, desto mehr Nachahmer:innen gibt es.
Denn absurder Weise schafft eine Veröffentlichung oft auch erst die Möglichkeit, dass deine Werke kopiert werden. Gleichzeitig schützt es dich aber auch vor einem größeren Schaden. Denn für alle, die dich und deine Werke kennen, wird es offensichtlich sein, woher die Copycat die Inspiration nahm, je näher die Immitation am Original bleibt. Die Gefahr einer Enttarnung der Copycat ist größer, wenn viele Menschen deine Kunstwerke kennen und es Beweise dafür gibt, dass deine Werke zuerst da waren. Und diese Beweise schaffst du selbst, indem du deine Werke veröffentlichst.
Mit dieser Technik vermeidest du also nicht, dass jemand dein Werk kopiert, aber du machst es der Copycat weniger schmackhaft. Außerdem ist der Schaden, den du erleidest viel geringer, wenn er nicht sogar ins Gegenteil umschlägt.
Lass uns mal überlegen, welcher Schaden bei einer berühmten Künstler:innenpersönlichkeit entsteht, dessen Werk nachgeahmt wird.
Beispiel
Eine Künstlerin setzt sich in einem roten Kleid auf einen Stuhl und nennt die Performance „The artist is present“.
In einem Museum ist ein unordentliches Bett mit Schlafzimmergegenständen installiert.
Ein Künstler pflanzt 7000 Eichen.
Ich denke nicht, dass es Marina Abramovic, Tracy Emin oder Joseph Beuys` Ruf schadet, wenn ihre Werke nachgeahmt werden. Niemand wird die Imitationen als eigenständige Werke wahrnehmen, solange dem Werk keine neue, eigene Perspektive hinzugefügt wird. Berühmte Künstler:innen erleiden keinen Schaden, sondern profitieren sogar davon, wenn ihre Werke wiederholt werden.
Wenn du bekannt bist, ist es weitaus schwieriger deine Werke zu kopieren, ohne dass es jemand merkt.
Der Schaden wird kleiner, denn es zahlt trotzdem auf dein Konto ein, weil die Kopie an dich erinnert und deine Personenmarke stärkt.
Resüme daraus
Setze deine Ideen um und sorge dafür, dass sie so viele Menschen wie möglich sehen.
Du profitierst davon, dass es nie einfacher war, in die Sichtbarkeit zu gehen.
Eine Website ist die perfekte Möglichkeit, deine Werke zu veröffentlichen, selbst wenn du nicht oft ausstellst und von keiner Galerie vertreten wirst.
Trete dem nächst gelegenen BBK bei, um die Solidarität zwischen Kolleg:innen zu stärken und dich für die Rechte von Kunstschaffenden zu engagieren.
Zeige dich und deine Kunst auf Social Media oder anderen Plattformen und vernetze dich. Je öfter Menschen dich und deine Werke wahrnehmen, desto klarer verbinden sie dich mit dem was du machst.
Wenn du deine Werke stattdessen nicht veröffentlichst, weil du Angst hast, dass sie kopiert werden, dann blockierst du deine eigene Karriere und schadest dir selbst. Du erreichst zwar, dass keiner deine Lorbeeren ernten kann, doch du selbst kannst sie auch nicht ernten!
Noch ein Gedanke
Hast du schon mal darüber nachgedacht, die Person, die dich kopiert hat darauf anzusprechen? Oder hast du es vielleicht sogar schon mal getan?
Vermutlich wird er*sie es abstreiten, aber Wirkung wird deine Direktheit bestimmt trotzdem haben. Schreib mir gern deine Erfahrung mit dem Thema, würde mich sehr interessieren.
Weitere Bedrohung durch Ki-Bots
Nicht nur Copycats können deine Kunst immitieren und dir wirtschaftlichen und immateriellen Schaden zufügen. Auch die hungrigen Ki-Bots stellen eine echte Bedrohung dar. Zum Glück stehen dir einige Methoden zur Verfügung, deine Kunst vor dem Missbrauch der KIs zu schützen. In meinem Artikel »Wie du verhinderst, dass KI-Bots deine Kunst für Trainingszwecke missbrauchen« liest du mehr dazu.
Anmerkungen
Empfehlung: Hör dir unbedingt den Podcast von Franziska Walther »Die gute Mappe« zum Thema Copy-Cats & Ideenklau an, um dich noch tiefer mit dem Thema zu beschäftigen.
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